Kaminpfosten von Burg Haselstein aufgetaucht

Burgsanierung: Bereits über 100.000 € von HessenForst für den Erhalt der historischen Gemäuer

Einen echten Sensationsfund hat bei der Sanierung der alten Burgmauern der Haselsteiner Schlossberg freigegeben. Wie Vorsitzender Berthold Vogt berichtet, ist der Bautrupp des Heimat-, Kultur- und Geschichtsvereins bei den Vorbereitungen für den Gerüstbau auf einen 1,10 m hohen und 20-27 cm breiten Sandsteinquader gestoßen. Eine der Schmalseiten birgt eine kunstvoll herausgehauene Säule. Der Steinquader hat mit dieser Schauseite nach unten im Erdreich gelegen. Mörtelspuren legen zudem die Vermutung nahe, dass der Stein in späteren Zeiten, in eine Treppe verbaut, wohl neue Verwendung gefunden hat.

Aus der Zeit um 1500: Kaminpfosten von Burg Haselstein

Bei dem Fundstück handelt es sich um einen „schön dekorierten“ Kaminpfosten aus dem 15./16. Jahrhundert, ergänzt 2. Vorsitzender Andreas Knüttel. Dies habe die Ferndiagnose von Burgenforscher Dr. Joachim Zeune anhand von Fotos ergeben. Zeune hatte im vorigen Jahr den Baubestand dokumentiert und das Alter der einzelnen Burgteile bestimmt. Dabei war herausgekommen, dass die jetzt sanierten Mauerstücke am Nordabhang – einst zum Torturm und einem angrenzenden Wohnbau (Kemenate) gehörend – noch relativ jung und erst um 1500 entstanden sind. Zu dieser Zeit hatten die Ritter von Haselstein ihre Burg längst verlassen.

Die späte Burgerweiterung fällt vielmehr in die Zeit nach der Heimholung von Burg und Amt Haselstein in die Fürstabtei Fulda, gibt Andreas Knüttel eine historische Einordnung. Nach jahrzehntelanger Verpfändung an die Familie von Buchenau konnte die Fürstabtei im Jahr 1464 Haselstein wieder zurückkaufen. Die hessischen Landgrafen strebten schon im 15. Jahrhundert danach, sich den Nordteil des Fuldaer Stiftslandes einzuverleiben und hatten sich zuvor zeitweise schon auf dem Haselstein festgesetzt. Hier galt es, weiterhin auf der Hut sein. Die zunehmende Verbreitung von Feuerwaffen und Kanonen machte eine „Nachrüstung“ nötig, um die Burg wehrhaft zu halten.

Der Vorstand des HKG auf der Baustelle (v.l.nr.). Oben: Jürgen Herbert, Matthias Brehler. Mitte: Michael Käsmann, Berthold Vogt. Unten:  Andreas Knüttel mit Matthias, Peter Höfer. Es fehlt: Lothar Klewitz.

Die Sanierung der schadhaften Burgmauern hat sich auf zwei Bauabschnitte im Spätsommer 2019 und aktuell seit Ende April erstreckt. Der Eigentümer HessenForst hat bereits über 100.000 € zur Erhaltung der Verkehrssicherheit bereitgestellt. Der Kreis hat mit einem Zuschuss von 5.000 € unvorhergesehene Zusatzarbeiten ermöglicht. In über 500 Arbeitsstunden haben die Helfer des Geschichtsvereins Baumaterial und –gerät auf den Berg geschafft, die zu bearbeitenden Mauerstücke von Bewuchs befreit und Erdablagerungen entfernt. Planung und Baubetreuung liegen beim Büro für historische Baukonstruktion, Uli Thümmler, die Bauausführung bei der Firma Fesch aus Waldkappel. Bei einer Begehung haben sich der Projektverantwortliche Jürgen Dickert vom Forstamt Burghaun und Vertreter/-innen aller beteiligten Stellen davon überzeugt, dass die Ruine nach Abschluss der Arbeiten wieder gefahrlos begangen werden kann.

Unterstützung und Begleitung der Burgsanierung (v.l.n.r.). Obere Reihe: Eva Kohlmann (Untere Denkmalbehörde FD), Berthold Vogt (Vorsitzender HKG), Herr Hübenthal (Fa. Fesch). Untere Reihe: Jürgen Dickert (Forstamt Burghaun), Uli Thümmler (Büro f. historische Baukonstruktionen, Mackenzell), Dr. Frank Verse (Leitung Vonderau-Museum), Milena Wingenfeld (Kreisarchäologin). Vorn: Bürgermeisterin Marion Frohnapfel (Nüsttal)

Ebenfalls der Sicherheit für Besucherinnen und Besucher geschuldet waren die Baumfällungen im Bereich des auf den Gipfel führenden Fußpfades. Diese sind unabhängig von den laufenden Bauarbeiten notwendig geworden. Wegen der trockenen Sommer der letzten Jahre in Verbindung mit dem felsigen Untergrund sind viele Bäume abgestorben und haben dadurch ein massives Verkehrssicherheitsrisiko dargestellt.

Vorbildliche Burgsanierung

Haselsteiner informieren sich auf der Osterburg in der bayerischen Rhön

Angesichts der anstehenden Restaurierungsarbeiten an der eigenen Burgruine hat der Haselsteiner Heimat- und Geschichtsverein einen verspäteten Maiausflug unternommen, um eine bereits vorbildlich sanierte Ruine in Augenschein zu nehmen. Ziel war die unterhalb des Kreuzbergs auf 714 Metern gelegene Osterburg bei Bischofsheim. Vor dem Jahr 1200 als Grenzbefestigung errichtet, hatte sie die Aufgabe, das Fürstbistum Würzburg gegen die „räuberischen Fuldaer Fürstäbte“ abzusichern. So steht es jedenfalls in der Wikipedia. Besonders das nahegelegene Dammersfeld war im 13. Jh. zwischen Würzburg und Fulda wiederholt umkämpft. Um 1270 sollen die Fuldaer unter Abt Bertho II. von Leibolz die Osterburg zerstört haben. Der Legende nach haben die Steine der Burg beim Bau des Klosters Kreuzberg Verwendung gefunden.

Teilweise rekonstruierter Bergfried

Heute ist die Osterburg Beispiel für die gelungene Freilegung, Sanierung und öffentliche Präsentation einer mittelalterlichen Ruine. Wie in Haselstein ist die Initiative von engagierten Bürgern ausgegangen, zusammengeschlossen im Verein der „Freunde der Osterburg“. Deren 2. Vorsitzender Wolfgang Schön erläuterte die einzelnen Abschnitte der Erhaltungsarbeiten, mit denen 2005 begonnen wurde und die größtenteils abgeschlossen sind. Die Haselsteiner Delegation, angeführt vom Vorsitzenden Berthold Vogt und begleitet von Nüsttals Bürgermeisterin Marion Frohnapfel und Pfarrer Josef Schlitt, zeigte sich beeindruckt vom dem auf dem 4.400 m² umfassenden Burgareal Geleisteten. Verglichen mit der Osterburg war die Haselsteiner Burganlage eher bescheiden. Dem steilen Gelände des Haselsteiner Schlossbergs geschuldet, umfasste diese nur etwas über 2.000 m².

Burgbesichtigung vor prachtvollem Rhönpanorama – im Hintergrund der Kreuzberg.

Dass es an der fuldisch-würzburger Grenze in der nachmittelalterlichen Zeit wieder friedlicher zuging, wusste Haselsteins Dorfhistoriker Andreas Knüttel noch zu ergänzen.  Mitte des 16. Jahrhunderts sind Kühe und Rindvieh aus der zur Burg Haselstein gehörigen Landwirtschaft gut 40 km weit auf das Dammersfeld zur Sommerweide getrieben worden. Die Belege für diese frühen Wirtschaftsbeziehungen zur Nachbarschaft der Osterburg finden sich in den ältesten Haselsteiner Amtsrechnungen.

Haselsteiner Geschichtsweg eröffnet

900 Jahre Dorfgeschichte auf neun Stationen

Der vom Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein (HKGV) eingerichtete ‚Haselsteiner Geschichtsweg‘ ist am vergangenen So., 19. August, offiziell seiner Bestimmung übergeben worden. An den neun Stationen des Geschichtswegs sind Schilder die Wappenform montiert, auf denen im Telegrammstil ein kurzer Abriss der Haselsteiner Dorfgeschichte nachzulesen ist. Mit einem Zuschuss der Gemeinde zu den Druckkosten ist weiterhin ein Info-Flyer mit allen Texten und einem Lageplan entstanden. „Unser Geschichtsweg will zum einen den vielen Besuchern der Burgruine unser Dorf näherbringen“, betonen Vorsitzender Berthold Vogt und sein Stellvertreter Andreas Knüttel: „Er richtet sich aber auch an die Haselsteiner selbst, die nun das Wichtigste aus ‚ihrer‘ Geschichte stets griffbereit haben.“

Offizielle Freigabe des Geschichtswegs im Schlosshof. V.l.n.r.: Christel Fritz (Mittelaschenbach), Berthold Vogt, Kurt Hoffmann (Hofaschenbach), Andreas Knüttel, Bürgermeisterin Marion Frohnapfel, Wendelin Priller und Gisela Falkenhahn-Klee (Rasdorf)

Eingebettet war die symbolische Enthüllung im Schlosshof in eine erste öffentliche Führung, bei der Andreas Knüttel einige Anekdoten aus der vom Mittelalter (Burg und Ritterfamilie von Haselstein) und der Barockzeit (Pfarrkirche) geprägten Ortsgeschichte erzählte. Zusammengefunden hatten sich neben den interessierten Haselsteinern die Heimat- bzw. Geschichtsvereine aus Hof-, Mittelaschenbach und Rasdorf sowie Nüsttals Bürgermeisterin Marion Frohnapfel. Der gesellige Ausklang bei den vom HKGV vor dem Einsturz geretteten Eselskellern auf halber Höhe des Haselsteiner Schlossberges zog sich über den ganzen Nachmittag hin.

Von der Sonne verschont – geselliger Ausklang an den Eselskellern

Der Info-Flyer mit Lageplan kann unter http://www.haselstein.com/haselsteiner-geschichtsweg/ heruntergeladen werden. In Papierform ist er u.a bei der Tourist-Info Hessisches Kegelspiel in Hünfeld und anderen Tourismus-Büros in der Region, der Gemeindeverwaltung Nüsttal und in Haselstein selbst zu haben.

Am historischen Dorfbrunnen