Kaminpfosten von Burg Haselstein aufgetaucht

Burgsanierung: Bereits über 100.000 € von HessenForst für den Erhalt der historischen Gemäuer

Einen echten Sensationsfund hat bei der Sanierung der alten Burgmauern der Haselsteiner Schlossberg freigegeben. Wie Vorsitzender Berthold Vogt berichtet, ist der Bautrupp des Heimat-, Kultur- und Geschichtsvereins bei den Vorbereitungen für den Gerüstbau auf einen 1,10 m hohen und 20-27 cm breiten Sandsteinquader gestoßen. Eine der Schmalseiten birgt eine kunstvoll herausgehauene Säule. Der Steinquader hat mit dieser Schauseite nach unten im Erdreich gelegen. Mörtelspuren legen zudem die Vermutung nahe, dass der Stein in späteren Zeiten, in eine Treppe verbaut, wohl neue Verwendung gefunden hat.

Aus der Zeit um 1500: Kaminpfosten von Burg Haselstein

Bei dem Fundstück handelt es sich um einen „schön dekorierten“ Kaminpfosten aus dem 15./16. Jahrhundert, ergänzt 2. Vorsitzender Andreas Knüttel. Dies habe die Ferndiagnose von Burgenforscher Dr. Joachim Zeune anhand von Fotos ergeben. Zeune hatte im vorigen Jahr den Baubestand dokumentiert und das Alter der einzelnen Burgteile bestimmt. Dabei war herausgekommen, dass die jetzt sanierten Mauerstücke am Nordabhang – einst zum Torturm und einem angrenzenden Wohnbau (Kemenate) gehörend – noch relativ jung und erst um 1500 entstanden sind. Zu dieser Zeit hatten die Ritter von Haselstein ihre Burg längst verlassen.

Die späte Burgerweiterung fällt vielmehr in die Zeit nach der Heimholung von Burg und Amt Haselstein in die Fürstabtei Fulda, gibt Andreas Knüttel eine historische Einordnung. Nach jahrzehntelanger Verpfändung an die Familie von Buchenau konnte die Fürstabtei im Jahr 1464 Haselstein wieder zurückkaufen. Die hessischen Landgrafen strebten schon im 15. Jahrhundert danach, sich den Nordteil des Fuldaer Stiftslandes einzuverleiben und hatten sich zuvor zeitweise schon auf dem Haselstein festgesetzt. Hier galt es, weiterhin auf der Hut sein. Die zunehmende Verbreitung von Feuerwaffen und Kanonen machte eine „Nachrüstung“ nötig, um die Burg wehrhaft zu halten.

Der Vorstand des HKG auf der Baustelle (v.l.nr.). Oben: Jürgen Herbert, Matthias Brehler. Mitte: Michael Käsmann, Berthold Vogt. Unten:  Andreas Knüttel mit Matthias, Peter Höfer. Es fehlt: Lothar Klewitz.

Die Sanierung der schadhaften Burgmauern hat sich auf zwei Bauabschnitte im Spätsommer 2019 und aktuell seit Ende April erstreckt. Der Eigentümer HessenForst hat bereits über 100.000 € zur Erhaltung der Verkehrssicherheit bereitgestellt. Der Kreis hat mit einem Zuschuss von 5.000 € unvorhergesehene Zusatzarbeiten ermöglicht. In über 500 Arbeitsstunden haben die Helfer des Geschichtsvereins Baumaterial und –gerät auf den Berg geschafft, die zu bearbeitenden Mauerstücke von Bewuchs befreit und Erdablagerungen entfernt. Planung und Baubetreuung liegen beim Büro für historische Baukonstruktion, Uli Thümmler, die Bauausführung bei der Firma Fesch aus Waldkappel. Bei einer Begehung haben sich der Projektverantwortliche Jürgen Dickert vom Forstamt Burghaun und Vertreter/-innen aller beteiligten Stellen davon überzeugt, dass die Ruine nach Abschluss der Arbeiten wieder gefahrlos begangen werden kann.

Unterstützung und Begleitung der Burgsanierung (v.l.n.r.). Obere Reihe: Eva Kohlmann (Untere Denkmalbehörde FD), Berthold Vogt (Vorsitzender HKG), Herr Hübenthal (Fa. Fesch). Untere Reihe: Jürgen Dickert (Forstamt Burghaun), Uli Thümmler (Büro f. historische Baukonstruktionen, Mackenzell), Dr. Frank Verse (Leitung Vonderau-Museum), Milena Wingenfeld (Kreisarchäologin). Vorn: Bürgermeisterin Marion Frohnapfel (Nüsttal)

Ebenfalls der Sicherheit für Besucherinnen und Besucher geschuldet waren die Baumfällungen im Bereich des auf den Gipfel führenden Fußpfades. Diese sind unabhängig von den laufenden Bauarbeiten notwendig geworden. Wegen der trockenen Sommer der letzten Jahre in Verbindung mit dem felsigen Untergrund sind viele Bäume abgestorben und haben dadurch ein massives Verkehrssicherheitsrisiko dargestellt.

Burgsanierung kommt gut voran

Freilegungen bestätigen alte Forschungen zum Grundriss ‘auf den Meter genau’

Von guten Fortschritten bei der Sanierung der Burgruine auf dem Haselsteiner Schlossberg berichten Berthold Vogt und Andreas Knüttel vom Heimat- und Geschichtsverein. Die Mitarbeiter der Firma Fesch (Waldkappel) sind jetzt in der fünften Woche auf der Baustelle. Der erste Sanierungsabschnitt umfasst die am stärksten geschädigten Bereiche: das heute noch mehrere Meter aufragende Burgtor sowie die Mauerreste der östlichen Vorburg (Zwinger) oberhalb von Kirche und Schloss. Letztere standen infolge des instabilen Untergrunds kurz vor dem Absturz. Lange Zeit stand nicht fest, ob die äußere Begrenzung der Burganlage überhaupt erhalten werden kann. Mittlerweile ist die Sicherung abgeschlossen, und die Arbeiten konzentrieren sich auf die auch als Ruine immer noch imposante Toranlage von 9 x 11 Metern im Geviert.

Außenwand des Torbaus (Ostseite) nach erfolgter Sanierung

In die von Wind und Wetter ausgewaschenen Fugen wird neuer Mörtel maschinell eingeblasen. Durch die Stabilisierung des Mauerwerks im sog. Trockenspritzverfahren kann der größte Teil der Steinlagen im Original erhalten bleiben und muss nicht abgebaut und neu zusammengesetzt werden. Um den Neuaufbau nicht herum kommen die Bauleute bei den oberen Steinlagen auf den Mauerkronen und bei abgebrochenen bzw. teilweise eingestürzte Mauerteilen.

Doppelwandige Mauer, über 1m stark, im Torbau

Das hierfür benötigte Baumaterial auf den Berg zu schaffen, hat der Bautrupp des Heimat- und Geschichtsvereins übernommen. Mühsam war vor allem das Aufsammeln der Bruchsteine aus Phonolith, dem hauptsächlichen Baumaterial der mittelalterlichen Burg, von den Abhängen des Schlossberges. „Durchgezählt haben wir nicht. Eine ordentliche vierstellige Anzahl ist aber zusammengekommen“, betonen Berthold Vogt und Andreas Knüttel angesichts der Mauerstärken zwischen einem und ein Meter sechzig. Die von den Vereinsmitgliedern erbrachte logistische Unterstützung erspart einige tausend Euro an Kosten. „Dieses Geld steht zusätzlich für die eigentliche Sanierung zur Verfügung“, macht Vorsitzender Berthold Vogt deutlich. Finanziert werden die Arbeiten von HessenForst als Eigentümer des Schlossberges. Ein zweiter Sanierungsabschnitt ist für nächstes Jahr vorgesehen.

“Viel Steine gab’s …”: Baustelle im Bereich des Torbaus

Von interessanten Funden, die bei den nötigen Erdbewegungen und der Freilegung von Mauerstücken gemacht wurden, weiß der 2. Vorsitzende Andreas Knüttel zu berichten: „Anhand von zu Tage geförderten Steinschwellen und Profilsteinen kennen wir jetzt die genaue Lage des äußeren Burgtors.“ Es befindet sich zudem „auf den Meter genau“ da, wo der Historiker und langjährige Leiter des Fuldaer Kulturamts, Dr. Heinrich Hahn (1911-1988) es schon vor Jahrzehnten vermutet hat. Dr. Hahn musste bei seinen Forschungen[1] ohne Ausgrabungen auskommen. Wie er trotzdem bisher immer richtig gelegen hat, zeigt sich z.B. auch an einem in der Erde verborgenen, vom Torbau ausgehenden Mauerzug, der bei der Sanierung jetzt entdeckt wurde.

[1]  Veröffentlicht in den Fuldaer Geschichtsblättern 1983 (59. Jahrgang), S. 28–40.

Freigelegt: Schwelle vom äußeren Burgtor

Bis zum Abschluss der Arbeiten bleibt der Schlossberg für die Öffentlichkeit weiterhin gesperrt. Daher muss die für So., 22.09., geplante Führung zu Eselskellern und Burgruine  leider entfallen.

Noch rechtzeitig vor dem Absturz bewahrt: Östliche Vorburg (Zwinger)

Vorbildliche Burgsanierung

Haselsteiner informieren sich auf der Osterburg in der bayerischen Rhön

Angesichts der anstehenden Restaurierungsarbeiten an der eigenen Burgruine hat der Haselsteiner Heimat- und Geschichtsverein einen verspäteten Maiausflug unternommen, um eine bereits vorbildlich sanierte Ruine in Augenschein zu nehmen. Ziel war die unterhalb des Kreuzbergs auf 714 Metern gelegene Osterburg bei Bischofsheim. Vor dem Jahr 1200 als Grenzbefestigung errichtet, hatte sie die Aufgabe, das Fürstbistum Würzburg gegen die „räuberischen Fuldaer Fürstäbte“ abzusichern. So steht es jedenfalls in der Wikipedia. Besonders das nahegelegene Dammersfeld war im 13. Jh. zwischen Würzburg und Fulda wiederholt umkämpft. Um 1270 sollen die Fuldaer unter Abt Bertho II. von Leibolz die Osterburg zerstört haben. Der Legende nach haben die Steine der Burg beim Bau des Klosters Kreuzberg Verwendung gefunden.

Teilweise rekonstruierter Bergfried

Heute ist die Osterburg Beispiel für die gelungene Freilegung, Sanierung und öffentliche Präsentation einer mittelalterlichen Ruine. Wie in Haselstein ist die Initiative von engagierten Bürgern ausgegangen, zusammengeschlossen im Verein der „Freunde der Osterburg“. Deren 2. Vorsitzender Wolfgang Schön erläuterte die einzelnen Abschnitte der Erhaltungsarbeiten, mit denen 2005 begonnen wurde und die größtenteils abgeschlossen sind. Die Haselsteiner Delegation, angeführt vom Vorsitzenden Berthold Vogt und begleitet von Nüsttals Bürgermeisterin Marion Frohnapfel und Pfarrer Josef Schlitt, zeigte sich beeindruckt vom dem auf dem 4.400 m² umfassenden Burgareal Geleisteten. Verglichen mit der Osterburg war die Haselsteiner Burganlage eher bescheiden. Dem steilen Gelände des Haselsteiner Schlossbergs geschuldet, umfasste diese nur etwas über 2.000 m².

Burgbesichtigung vor prachtvollem Rhönpanorama – im Hintergrund der Kreuzberg.

Dass es an der fuldisch-würzburger Grenze in der nachmittelalterlichen Zeit wieder friedlicher zuging, wusste Haselsteins Dorfhistoriker Andreas Knüttel noch zu ergänzen.  Mitte des 16. Jahrhunderts sind Kühe und Rindvieh aus der zur Burg Haselstein gehörigen Landwirtschaft gut 40 km weit auf das Dammersfeld zur Sommerweide getrieben worden. Die Belege für diese frühen Wirtschaftsbeziehungen zur Nachbarschaft der Osterburg finden sich in den ältesten Haselsteiner Amtsrechnungen.

Erstes Haselsteiner Dorf-Quiz

Heimatkunde mit Spaßfaktor von Burg bis Bundespräsident

„Seit wann haben die Haselsteiner fließendes Wasser im Haus?“, „Wann wurde das Dorf ans Stromnetz angeschlossen?“ So lauteten zwei der insgesamt 44 Fragen des ersten ‚Hollsteiner Dorfquiz-Abends‘, zu dem der Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen hatte. Dass die Dorfschule, die zuvor hier untergebracht war, im Sommer 1974 ihre Pforten schließen musste, wurde ebenso abgefragt wie der Name des aktuellen Leiters der Grundschule Nüsttal.

Moderiert wurde der Wissenswettbewerb von den beiden Vorsitzenden Berthold Vogt und Andreas Knüttel. Dabei standen geselliges Miteinander, nicht knallharter Wettbewerb, im Mittelpunkt. Gespielt wurde in Rate-Teams, wobei die Familien-Teams aufgrund der Altersmischung eindeutig im Vorteil waren. Die Auswertung der Fragebögen bescheinigte den Haselsteinern, über ihren Ort gut Bescheid zu wissen. Alle acht Rateteams erreichten über 50 % der maximalen Punktzahl. Bei einer Schulprüfung wäre niemand durchgefallen. Ausgelobt waren ein Kasten Bier, 2 Kilo Gehacktes, 1 Laib Brot und Zwiebeln. Von den Gewinnern gestiftet, wurden die Preise gleich im Anschluss gemeinsam verzehrt.

Anno 2019 Schauplatz des ersten “Hollsteiner Dorf-Quiz” …

So manche Überraschung brachte die Auflösung der Fragen mit sich. Dass das fließende Wasser und die Elektrizität erst 1902 bzw. 1927 den Weg nach Haselstein gefunden hatten, rief einiges Erstaunen hervor. Ein Leben ohne diese zivilisatorischen „basics“ ist für uns Zeitgenossen von 2019 kaum vorstellbar. Von allen richtig beantwortet wurde die Frage nach dem Staatsoberhaupt, das schon offiziell in Haselstein gewesen war: Karl Carstens am 27. Dezember 1980 auf seiner Deutschland-Wanderung von der Ostsee zu den Alpen.

Nicht ganz so sattelfest zeigten sich die Teilnehmer bei der Haselsteiner Geographie: Höhe des Schlossbergs (483 m), Anzahl der Berge in der Gemarkung (14) und der größten Erhebung (Breiter Berg (580m), zugleich höchster Punkt der Gemeinde Nüsttal).

An gleicher Stelle wurde bis 1974 ‘Schule gehalten’ (Unterrichtsszene kurz nach Eröffnung der Schule 1953)

Selbst bei der mit Abstand kniffligsten Frage, wann die erste internationale Hochzeit mit einem nichtdeutschen Ehepartner stattgefunden hat, konnten Punkte vergeben werden: Therese Landvogt, eine Tochter des letzten Haselsteiner Amtmanns auf dem Schloss, hat am 28. Mai 1811, also mitten in der Napoleonischen Zeit, den französischen Besatzungsoffizier Mannes Henry geheiratet. Der Bräutigam stammte aus dem Städtchen  Montigny-le-roi im nördlichen Burgund unweit der Quelle der Maas. Für die Antwort war eine Toleranz von plus/minus 20 Jahren einkalkuliert. So lag mit der Angabe „1830“ ein  Team noch richtig. Zwar keinen Punkt, aber einen kräftigen Anerkennungsapplaus gab es für die originellste Aufzählung der Eisheiligen: „Kalte Sophie und Geschwister“.

Alle Fragen und Antworten nochmals nachzulesen gibt es  hier:

0126_Dorfquiz – Fragen Antworten 1-44

 

Ritterliches Wildschweinessen

Die historische Zehntscheune von Schloss Haselstein war am 17. November Schauplatz des rustikalen Wildschweinessens für den Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein. Zahlreiche Vereinsmitglieder waren in ihrer mittelalterlichen Gewandung erschienen. Jagdpächter Martin Quinkler, zusammen mit seiner Frau Marion Ehrengast des Abends, hatte das zu verzehrende Wildschein – in der Haselsteiner Gemarkung erlegt – gestiftet.

Jürgen Herbert, Martin Quinkler, Vors. Berthold Vogt (v.l.n.r.)

Die schmackhafte Zubereitung lag in den bewährten Händen von Vorstandsmitglied Jürgen Herbert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, groß und klein, dankten Koch und Spender mit Applaus und großem Appetit.

 

Haselsteiner Geschichtsweg eröffnet

900 Jahre Dorfgeschichte auf neun Stationen

Der vom Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein (HKGV) eingerichtete ‚Haselsteiner Geschichtsweg‘ ist am vergangenen So., 19. August, offiziell seiner Bestimmung übergeben worden. An den neun Stationen des Geschichtswegs sind Schilder die Wappenform montiert, auf denen im Telegrammstil ein kurzer Abriss der Haselsteiner Dorfgeschichte nachzulesen ist. Mit einem Zuschuss der Gemeinde zu den Druckkosten ist weiterhin ein Info-Flyer mit allen Texten und einem Lageplan entstanden. „Unser Geschichtsweg will zum einen den vielen Besuchern der Burgruine unser Dorf näherbringen“, betonen Vorsitzender Berthold Vogt und sein Stellvertreter Andreas Knüttel: „Er richtet sich aber auch an die Haselsteiner selbst, die nun das Wichtigste aus ‚ihrer‘ Geschichte stets griffbereit haben.“

Offizielle Freigabe des Geschichtswegs im Schlosshof. V.l.n.r.: Christel Fritz (Mittelaschenbach), Berthold Vogt, Kurt Hoffmann (Hofaschenbach), Andreas Knüttel, Bürgermeisterin Marion Frohnapfel, Wendelin Priller und Gisela Falkenhahn-Klee (Rasdorf)

Eingebettet war die symbolische Enthüllung im Schlosshof in eine erste öffentliche Führung, bei der Andreas Knüttel einige Anekdoten aus der vom Mittelalter (Burg und Ritterfamilie von Haselstein) und der Barockzeit (Pfarrkirche) geprägten Ortsgeschichte erzählte. Zusammengefunden hatten sich neben den interessierten Haselsteinern die Heimat- bzw. Geschichtsvereine aus Hof-, Mittelaschenbach und Rasdorf sowie Nüsttals Bürgermeisterin Marion Frohnapfel. Der gesellige Ausklang bei den vom HKGV vor dem Einsturz geretteten Eselskellern auf halber Höhe des Haselsteiner Schlossberges zog sich über den ganzen Nachmittag hin.

Von der Sonne verschont – geselliger Ausklang an den Eselskellern

Der Info-Flyer mit Lageplan kann unter http://www.haselstein.com/haselsteiner-geschichtsweg/ heruntergeladen werden. In Papierform ist er u.a bei der Tourist-Info Hessisches Kegelspiel in Hünfeld und anderen Tourismus-Büros in der Region, der Gemeindeverwaltung Nüsttal und in Haselstein selbst zu haben.

Am historischen Dorfbrunnen

Barocke Pracht für’s einfache Volk

Geschichtsfreunde aus Haselstein und Mittelaschenach auf den Spuren des Barock-Baumeisters Andreas Gallasini

Leben und Werk des fürstlich-fuldischen Baumeisters Andrea(s) Gallasini (1681-1766) haben die Heimatvereine von Haselstein und Mittelaschenbach im Fuldaer Vonderau-Museum nachgespürt. Das Interesse an der Ausstellung zu Gallasini geht zurück auf dessen Bauten in Haselstein. Sowohl die barocke Pfarrkirche als auch das unterhalb gelegene Dorfgasthaus ‚Goldener Stern‘ in der Dorfmitte gehen auf ihn zurück.

Baumeister Gallasini, Schöpfer des barocken Haselstein: Kirche und Mägerleinscher Hof (Wirts)

Gallasinis Wiege stand in Lugano im Tessin (italienische Schweiz). Sein Lebensweg steht beispielhaft für vielen Baukünstler und Handwerker, die ab dem späten 17. Jahrhundert den lebensfrohen, aus Italien stammenden Barockstil über die Alpen brachten. Vor allem wegen der kunstvollen Stukkaturen waren die vorwiegend aus Oberitalien stammenden ‚frühen Gastarbeiter‘ an den deutschen Fürstenhöfen hoch willkommene Mitarbeiter. Bevor er 1720 nach Fulda kam, hatte Andreas Gallasini Stationen in Saalfeld, Meiningen, Weilburg, Neuwied und Arolsen absolviert: zunächst als angestellter Stukkateur, dann als Bauleiter.

Unter Fürstabt Adolph von Dalberg avancierte Gallasini schließlich 1728 zum fürstlichen Baumeister und Architekten, eine Stellung, die er fast 30 Jahre, bis nach dem Tod von Dalbergs Nachfolger Amand von Buseck 1756, ausfüllen sollte. Neben seinem Wirken in der Residenzstadt Fulda hat Gallasini unter anderem in 20 fuldischen Dörfern neue Kirchen errichtet. Dieses flächendeckende Bauprogramm war zunächst Ausfluss der Anstrengungen der beiden fürstäbtlichen Auftraggeber, die Seelsorge auf dem Land zu intensivieren. Zugleich erwuchs Andreas Gallasini, wie der Kunstexperte Ernst Kramer einst schrieb, zum „Schöpfer des einheitlichen barocken Gesichts des Fuldaer Landes.“

 

Wie die Ausstellung zeigt, war charakteristisch für Gallasinis Arbeitsweise der Rückgriff auf Fassadenelemente bedeutender Barockbauten, etwa in Rom, Florenz oder Wien. Die partielle Verwendung fremder Entwürfe für die eigenen Bauprojekte wäre heute als Diebstahl geistigen Eigentums verpönt. Im 18. Jahrhundert hingegen war dies allgemein akzeptiert und wurde auch erwartet. Kopiert hat Gallasini bei seinen Landkirchen zudem viele Gestaltungselemente des 1712 vollendeten Fuldaer Doms. Er hat die Hauptkirche des Hochstifts gewissermaßen ‚geklont‘ und in viele Orte des Stiftsländchens hinausgetragen. Ob mit bewusstem Kalkül oder nicht:  Die eigene Kirche ähnlich schön wie den Dom in der Hauptstadt zu wissen, förderte die Identifikation der gläubigen Untertanen mit Fürstenthron und Altar.

Besuchergruppe der Heimatvereine von Mittelaschenach und Haselstein

Dies fiel ihnen umso leichter, als sie die neuen Kirchen großenteils geschenkt bekamen. Bauherr war der Fürstabt, bezahlt wurde aus der fürstlichen Kasse. Zwar sind Überlieferungen falsch, alle Kosten wären aus der Abts-Schatulle beglichen worden. Der Eigenanteil der Gemeinden hielt sich jedoch in Grenzen. Im Falle Haselsteins hatte das Dorf 417 der laut Kirchbaurechnung verausgabten 2.119 Gulden beizutragen. Das waren knapp 20 %.

In der Ausstellung ist einem Zeitstrahl mit allen Bauten Gallasinis zu entnehmen, dass die Mehrzahl seiner Landkirchen im Norden der Fürstabtei entstanden ist, um Hünfeld und Geisa herum. Im Hünfelder Land erhielten zunächst alle vier Amtsdörfer ein neues Gotteshaus: Burghaun sein evangelisches (erbaut 1727-29). Die große katholische Schwester von Dombaumeister Dientzenhofer war schon 1714 vollendet. Die Mackenzeller Pfarrkirche (1728-30) diente dem fürstlichen Baumeister, so jedenfalls die kunsthistorische Einordnung, als Prototyp für nachfolgende Entwürfe. Beim Einmarsch der US-Armee Ostern 1945 ausgebrannt, wurde die Ruine, anders als in Hauswurz, nicht wieder aufgebaut. Eiterfeld (1730-31) beeindruckt durch die besonders gelungene Fassadengestaltung und den harmonischen Gesamteindruck.

Für eine Fuldaer Dorfkirche einzigartig: Stukkaturen in Haselstein

Bei der kleinen, in den Abhang des Schlossbergs förmlich hineingebauten Haselsteiner Kirche (1730-33), sind es hingegen die überreichen Stukkaturen im Inneren, die dem Betrachter besondere Bewunderung abverlangen: kunstvolles Bandelwerk, Rosenbuketts und aufwändige Umrahmung der Evangelisten-Portraits an der Decke. 12 Flammenkreuze, geziert von 72 Engelsköpfchen, ein jedes mit individuellem Gesicht, sind entlang der Seitenwände verteilt. Für eine Dorfkirche eine absolute Ausnahme, ist vergleichbarer Aufwand nur in Fulda bzw. den Propsteien, den Nebenresidenzen der adligen Domkapitulare, getrieben worden. Auch wenn er in der Kirchbaurechnung nur anonym als ‚Stuckator‘ erscheint, ist die Urheberschaft des Hofstukkateurs Andreas Schwarzmann nachgewiesen. Pfarrer Armin Hühn hat dessen Namenszug im Stuckband über der Orgel in den 1980er Jahren entdeckt.

Eines der 12 Flammenkreuze mit Engelsköpfen in der Haselsteiner Kirche (Farbfassung der Renovierung 1988)

Weitere Gallasini-Kirchen im Hünfelder Land schmücken Großentaft (1736-39) und Oberufhausen (1747-50). Bis 1966 stand eine siebte in Michelsrombach (1747-48). Obwohl einem prominenten römischen Kloster, dem Oratorio dei Filippini, nachempfunden, musste sie einem modernen Neubau weichen.

(Andreas Knüttel)

 

Infos zur Burgruine

Mitgliederversammlung am 22. Juni auf dem Schlossberg

Im Mittelpunkt der jüngsten Zusammenkunft des HKGV haben die angelaufenen Arbeiten zur Erhaltung der Burgreste gestanden. Folgende Informationen konnten gegeben werden:

•    Nach der vom Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein (HKGV) 2016/17 ausgegangenen Initiative zur Sanierung ist im Herbst 2017 im Bereich der westlichen Vorburg von der Fachfirma Kraus, Dermbach begonnen worden. Der Bautrupp des HKGV hat die Arbeiten mit Materialtransporten und der Entfernung des Bewuchses unterstützt.

•     Auftraggeber ist das Forstamt Burghaun als Eigentümer. 2017 und 2018 stehen jeweils ein 5-stelliger Betrag zur Verfügung. Dem Vernehmen nach – eine verbindliche Zusicherung kann jetzt noch nicht gegeben werden – sollen in den Folgejahren weitere Geldmittel zur Verfügung gestellt werden.

•     Trotz des überschaubaren Auftragsvolumens, der Spezialität der Aufgabe und der allgemeinen Auftragslage, die weitere Bewerber nicht erwarten lassen, verlangt das Landesforstamt in diesem Jahr die Durchführung einer Ausschreibung. Dies führt aktuell zu Verzögerungen; 2018 konnten die Arbeiten noch nicht wieder aufgenommen werden.

•     Die Arbeiten erfolgen auf Grundlage der Untersuchung (Zustandsfeststellung und Maßnahmenplan, März 2017) des Ingenieurbüros Thümmler, Mackenzell, das von HessenForst auch mit der Bauleitung beauftragt ist. Wegen des schwierigen Zugangs ist die Schildmauer lediglich einer Sichtprüfung vom Mauerfuß aus unterzogen worden. Belastbare Aussagen zum Sanierungsbedarf an der Schildmauer konnten so nicht getroffen werden. Festgestellt wurden jedoch starke Verwitterungen am Steinmaterial. D.h., es könnte sich dort noch weiterer Sanierungsbedarf ergeben.

Den Jahrhunderten getrotzt: Schildmauer am Südabhang des Schlossbergs.

•     Insbesondere vor diesem Hintergrund ist versucht worden, aus Mitteln des Landesamts für Denkmalpflege weitere Mittel zu erhalten – bisher jedoch ohne Erfolg:

a)  Das Landes-Denkmalamt darf – anders noch als vor 25 Jahren bei der Ruine Hauneck – HessenForst, da ebenfalls Landes-Dienststelle, keine Zuschüsse zahlen. (Auf gut deutsch gesagt: Das Land steht sich selbst im Weg.)

b)   Würde die Gemeinde den Schlossberggipfel in ihre Obhut nehmen und sich künftig um die Abwicklung der Sanierung kümmern (Projektträgerschaft), wäre ein Landeszuschuss möglich. Der HKGV – da privater Verein und ehrenamtlich arbeitend – kommt als ‚Projektträger‘ weder für die Denkmalbehörden noch für HessenForst in Frage. Bisher gibt es keine Äußerung seitens der Gemeinde, sich am Schlossberg engagieren zu wollen.

c)  Inhaltlich wird mit der Antragstellung die Vorlage eines ‚Master-Plans‘ verlangt. Dieser umfasst neben der Bauunterhaltung insbesondere die touristische Nutzung; einen festen Kriterienkatalog gibt es jedoch nicht.

•     Fazit: Es zeichnet sich ab, dass die Beseitigung der Schäden in den kommenden Jahren Zug um Zug gesichert ist. Dies gilt, solange an der südlichen Schildmauer nicht noch kostenintensive Erhaltungsarbeiten notwendig werden.

•     Die Erneuerung der touristischen Infrastruktur (Schutzhütte, Tisch und Bänke, Info-Tafeln Eselskeller und Bergspitze) soll im Rahmen des vom Naturpark Rhön aktuell geplanten ‚Spazierweges Haselstein‘ erfolgen. Der Wanderweg wird bis auf den Schlossberg-Gipfel geführt. Das Vorhaben wird von der Gemeinde begleitet.

Der Stoppelsberg im späten Licht des längsten Tages.

Im Anschluss an den ‘offiziellen Teil’ haben die Anwesenden den längsten Abend des Jahres in gemütlicher Runde ausklingen lassen. Dank an ‘Grillmeister’ Jürgen Herbert und den Sonnenuntergang!