Haselsteiner Geschichtsweg eröffnet

900 Jahre Dorfgeschichte auf neun Stationen

Der vom Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein (HKGV) eingerichtete ‚Haselsteiner Geschichtsweg‘ ist am vergangenen So., 19. August, offiziell seiner Bestimmung übergeben worden. An den neun Stationen des Geschichtswegs sind Schilder die Wappenform montiert, auf denen im Telegrammstil ein kurzer Abriss der Haselsteiner Dorfgeschichte nachzulesen ist. Mit einem Zuschuss der Gemeinde zu den Druckkosten ist weiterhin ein Info-Flyer mit allen Texten und einem Lageplan entstanden. „Unser Geschichtsweg will zum einen den vielen Besuchern der Burgruine unser Dorf näherbringen“, betonen Vorsitzender Berthold Vogt und sein Stellvertreter Andreas Knüttel: „Er richtet sich aber auch an die Haselsteiner selbst, die nun das Wichtigste aus ‚ihrer‘ Geschichte stets griffbereit haben.“

Offizielle Freigabe des Geschichtswegs im Schlosshof. V.l.n.r.: Christel Fritz (Mittelaschenbach), Berthold Vogt, Kurt Hoffmann (Hofaschenbach), Andreas Knüttel, Bürgermeisterin Marion Frohnapfel, Wendelin Priller und Gisela Falkenhahn-Klee (Rasdorf)

Eingebettet war die symbolische Enthüllung im Schlosshof in eine erste öffentliche Führung, bei der Andreas Knüttel einige Anekdoten aus der vom Mittelalter (Burg und Ritterfamilie von Haselstein) und der Barockzeit (Pfarrkirche) geprägten Ortsgeschichte erzählte. Zusammengefunden hatten sich neben den interessierten Haselsteinern die Heimat- bzw. Geschichtsvereine aus Hof-, Mittelaschenbach und Rasdorf sowie Nüsttals Bürgermeisterin Marion Frohnapfel. Der gesellige Ausklang bei den vom HKGV vor dem Einsturz geretteten Eselskellern auf halber Höhe des Haselsteiner Schlossberges zog sich über den ganzen Nachmittag hin.

Von der Sonne verschont – geselliger Ausklang an den Eselskellern

Der Info-Flyer mit Lageplan kann unter http://www.haselstein.com/haselsteiner-geschichtsweg/ heruntergeladen werden. In Papierform ist er u.a bei der Tourist-Info Hessisches Kegelspiel in Hünfeld und anderen Tourismus-Büros in der Region, der Gemeindeverwaltung Nüsttal und in Haselstein selbst zu haben.

Am historischen Dorfbrunnen

Barocke Pracht für’s einfache Volk

Geschichtsfreunde aus Haselstein und Mittelaschenach auf den Spuren des Barock-Baumeisters Andreas Gallasini

Leben und Werk des fürstlich-fuldischen Baumeisters Andrea(s) Gallasini (1681-1766) haben die Heimatvereine von Haselstein und Mittelaschenbach im Fuldaer Vonderau-Museum nachgespürt. Das Interesse an der Ausstellung zu Gallasini geht zurück auf dessen Bauten in Haselstein. Sowohl die barocke Pfarrkirche als auch das unterhalb gelegene Dorfgasthaus ‚Goldener Stern‘ in der Dorfmitte gehen auf ihn zurück.

Baumeister Gallasini, Schöpfer des barocken Haselstein: Kirche und Mägerleinscher Hof (Wirts)

Gallasinis Wiege stand in Lugano im Tessin (italienische Schweiz). Sein Lebensweg steht beispielhaft für vielen Baukünstler und Handwerker, die ab dem späten 17. Jahrhundert den lebensfrohen, aus Italien stammenden Barockstil über die Alpen brachten. Vor allem wegen der kunstvollen Stukkaturen waren die vorwiegend aus Oberitalien stammenden ‚frühen Gastarbeiter‘ an den deutschen Fürstenhöfen hoch willkommene Mitarbeiter. Bevor er 1720 nach Fulda kam, hatte Andreas Gallasini Stationen in Saalfeld, Meiningen, Weilburg, Neuwied und Arolsen absolviert: zunächst als angestellter Stukkateur, dann als Bauleiter.

Unter Fürstabt Adolph von Dalberg avancierte Gallasini schließlich 1728 zum fürstlichen Baumeister und Architekten, eine Stellung, die er fast 30 Jahre, bis nach dem Tod von Dalbergs Nachfolger Amand von Buseck 1756, ausfüllen sollte. Neben seinem Wirken in der Residenzstadt Fulda hat Gallasini unter anderem in 20 fuldischen Dörfern neue Kirchen errichtet. Dieses flächendeckende Bauprogramm war zunächst Ausfluss der Anstrengungen der beiden fürstäbtlichen Auftraggeber, die Seelsorge auf dem Land zu intensivieren. Zugleich erwuchs Andreas Gallasini, wie der Kunstexperte Ernst Kramer einst schrieb, zum „Schöpfer des einheitlichen barocken Gesichts des Fuldaer Landes.“

 

Wie die Ausstellung zeigt, war charakteristisch für Gallasinis Arbeitsweise der Rückgriff auf Fassadenelemente bedeutender Barockbauten, etwa in Rom, Florenz oder Wien. Die partielle Verwendung fremder Entwürfe für die eigenen Bauprojekte wäre heute als Diebstahl geistigen Eigentums verpönt. Im 18. Jahrhundert hingegen war dies allgemein akzeptiert und wurde auch erwartet. Kopiert hat Gallasini bei seinen Landkirchen zudem viele Gestaltungselemente des 1712 vollendeten Fuldaer Doms. Er hat die Hauptkirche des Hochstifts gewissermaßen ‚geklont‘ und in viele Orte des Stiftsländchens hinausgetragen. Ob mit bewusstem Kalkül oder nicht:  Die eigene Kirche ähnlich schön wie den Dom in der Hauptstadt zu wissen, förderte die Identifikation der gläubigen Untertanen mit Fürstenthron und Altar.

Besuchergruppe der Heimatvereine von Mittelaschenach und Haselstein

Dies fiel ihnen umso leichter, als sie die neuen Kirchen großenteils geschenkt bekamen. Bauherr war der Fürstabt, bezahlt wurde aus der fürstlichen Kasse. Zwar sind Überlieferungen falsch, alle Kosten wären aus der Abts-Schatulle beglichen worden. Der Eigenanteil der Gemeinden hielt sich jedoch in Grenzen. Im Falle Haselsteins hatte das Dorf 417 der laut Kirchbaurechnung verausgabten 2.119 Gulden beizutragen. Das waren knapp 20 %.

In der Ausstellung ist einem Zeitstrahl mit allen Bauten Gallasinis zu entnehmen, dass die Mehrzahl seiner Landkirchen im Norden der Fürstabtei entstanden ist, um Hünfeld und Geisa herum. Im Hünfelder Land erhielten zunächst alle vier Amtsdörfer ein neues Gotteshaus: Burghaun sein evangelisches (erbaut 1727-29). Die große katholische Schwester von Dombaumeister Dientzenhofer war schon 1714 vollendet. Die Mackenzeller Pfarrkirche (1728-30) diente dem fürstlichen Baumeister, so jedenfalls die kunsthistorische Einordnung, als Prototyp für nachfolgende Entwürfe. Beim Einmarsch der US-Armee Ostern 1945 ausgebrannt, wurde die Ruine, anders als in Hauswurz, nicht wieder aufgebaut. Eiterfeld (1730-31) beeindruckt durch die besonders gelungene Fassadengestaltung und den harmonischen Gesamteindruck.

Für eine Fuldaer Dorfkirche einzigartig: Stukkaturen in Haselstein

Bei der kleinen, in den Abhang des Schlossbergs förmlich hineingebauten Haselsteiner Kirche (1730-33), sind es hingegen die überreichen Stukkaturen im Inneren, die dem Betrachter besondere Bewunderung abverlangen: kunstvolles Bandelwerk, Rosenbuketts und aufwändige Umrahmung der Evangelisten-Portraits an der Decke. 12 Flammenkreuze, geziert von 72 Engelsköpfchen, ein jedes mit individuellem Gesicht, sind entlang der Seitenwände verteilt. Für eine Dorfkirche eine absolute Ausnahme, ist vergleichbarer Aufwand nur in Fulda bzw. den Propsteien, den Nebenresidenzen der adligen Domkapitulare, getrieben worden. Auch wenn er in der Kirchbaurechnung nur anonym als ‚Stuckator‘ erscheint, ist die Urheberschaft des Hofstukkateurs Andreas Schwarzmann nachgewiesen. Pfarrer Armin Hühn hat dessen Namenszug im Stuckband über der Orgel in den 1980er Jahren entdeckt.

Eines der 12 Flammenkreuze mit Engelsköpfen in der Haselsteiner Kirche (Farbfassung der Renovierung 1988)

Weitere Gallasini-Kirchen im Hünfelder Land schmücken Großentaft (1736-39) und Oberufhausen (1747-50). Bis 1966 stand eine siebte in Michelsrombach (1747-48). Obwohl einem prominenten römischen Kloster, dem Oratorio dei Filippini, nachempfunden, musste sie einem modernen Neubau weichen.

(Andreas Knüttel)

 

Infos zur Burgruine

Mitgliederversammlung am 22. Juni auf dem Schlossberg

Im Mittelpunkt der jüngsten Zusammenkunft des HKGV haben die angelaufenen Arbeiten zur Erhaltung der Burgreste gestanden. Folgende Informationen konnten gegeben werden:

•    Nach der vom Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein (HKGV) 2016/17 ausgegangenen Initiative zur Sanierung ist im Herbst 2017 im Bereich der westlichen Vorburg von der Fachfirma Kraus, Dermbach begonnen worden. Der Bautrupp des HKGV hat die Arbeiten mit Materialtransporten und der Entfernung des Bewuchses unterstützt.

•     Auftraggeber ist das Forstamt Burghaun als Eigentümer. 2017 und 2018 stehen jeweils ein 5-stelliger Betrag zur Verfügung. Dem Vernehmen nach – eine verbindliche Zusicherung kann jetzt noch nicht gegeben werden – sollen in den Folgejahren weitere Geldmittel zur Verfügung gestellt werden.

•     Trotz des überschaubaren Auftragsvolumens, der Spezialität der Aufgabe und der allgemeinen Auftragslage, die weitere Bewerber nicht erwarten lassen, verlangt das Landesforstamt in diesem Jahr die Durchführung einer Ausschreibung. Dies führt aktuell zu Verzögerungen; 2018 konnten die Arbeiten noch nicht wieder aufgenommen werden.

•     Die Arbeiten erfolgen auf Grundlage der Untersuchung (Zustandsfeststellung und Maßnahmenplan, März 2017) des Ingenieurbüros Thümmler, Mackenzell, das von HessenForst auch mit der Bauleitung beauftragt ist. Wegen des schwierigen Zugangs ist die Schildmauer lediglich einer Sichtprüfung vom Mauerfuß aus unterzogen worden. Belastbare Aussagen zum Sanierungsbedarf an der Schildmauer konnten so nicht getroffen werden. Festgestellt wurden jedoch starke Verwitterungen am Steinmaterial. D.h., es könnte sich dort noch weiterer Sanierungsbedarf ergeben.

Den Jahrhunderten getrotzt: Schildmauer am Südabhang des Schlossbergs.

•     Insbesondere vor diesem Hintergrund ist versucht worden, aus Mitteln des Landesamts für Denkmalpflege weitere Mittel zu erhalten – bisher jedoch ohne Erfolg:

a)  Das Landes-Denkmalamt darf – anders noch als vor 25 Jahren bei der Ruine Hauneck – HessenForst, da ebenfalls Landes-Dienststelle, keine Zuschüsse zahlen. (Auf gut deutsch gesagt: Das Land steht sich selbst im Weg.)

b)   Würde die Gemeinde den Schlossberggipfel in ihre Obhut nehmen und sich künftig um die Abwicklung der Sanierung kümmern (Projektträgerschaft), wäre ein Landeszuschuss möglich. Der HKGV – da privater Verein und ehrenamtlich arbeitend – kommt als ‚Projektträger‘ weder für die Denkmalbehörden noch für HessenForst in Frage. Bisher gibt es keine Äußerung seitens der Gemeinde, sich am Schlossberg engagieren zu wollen.

c)  Inhaltlich wird mit der Antragstellung die Vorlage eines ‚Master-Plans‘ verlangt. Dieser umfasst neben der Bauunterhaltung insbesondere die touristische Nutzung; einen festen Kriterienkatalog gibt es jedoch nicht.

•     Fazit: Es zeichnet sich ab, dass die Beseitigung der Schäden in den kommenden Jahren Zug um Zug gesichert ist. Dies gilt, solange an der südlichen Schildmauer nicht noch kostenintensive Erhaltungsarbeiten notwendig werden.

•     Die Erneuerung der touristischen Infrastruktur (Schutzhütte, Tisch und Bänke, Info-Tafeln Eselskeller und Bergspitze) soll im Rahmen des vom Naturpark Rhön aktuell geplanten ‚Spazierweges Haselstein‘ erfolgen. Der Wanderweg wird bis auf den Schlossberg-Gipfel geführt. Das Vorhaben wird von der Gemeinde begleitet.

Der Stoppelsberg im späten Licht des längsten Tages.

Im Anschluss an den ‘offiziellen Teil’ haben die Anwesenden den längsten Abend des Jahres in gemütlicher Runde ausklingen lassen. Dank an ‘Grillmeister’ Jürgen Herbert und den Sonnenuntergang!