Bilder vom Fest 900 Jahre Burg Haselstein

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Burg Haselstein friedlich gestürmt

350-Seelen-Dorf im Ausnahmezustand – Über 6.000 Besucher beim 900-jährigen Burgjubiläum

Zweimal ist die Burg Haselstein in ihrer 900-jährigen Geschichte im Kampf erobert worden: 1119 und 1156. Anders als im Mittelalter ist die dritte Eroberung des Haselsteiner Wahrzeichens am vergangenen Wochenende vollkommen friedlich über die Bühne gegangen.

Mehr als 6.000 Besucher stürmten die Burgruine und den Mittelaltermarkt im Haselsteiner Schlosshof. War das Publikumsinteresse am Samstag bereits groß, übertraf der Sonntag alle Erwartungen. Auf dem kleinen Burg-Plateau drängten sich die Menschen. Auf den schmalen Trampelpfaden zum Gipfel kam es zu regelrechten Stauungen. Die scherzhafte Frage, wann endlich der Verkehrsfunk vor dem Chaos auf dem Haselstein warne, machte die Runde. Im Lauf des Nachmittags gingen an etlichen Marktständen die Vorräte zur Neige. Kindertränen flossen, als der Stand mit Holzspielzeug wie Mini-Hellebarden und Armbrüsten zum Verschießen von Korkstopfen leergekauft war. Zum Glück fanden die Enttäuschten beim vielfältigen Kinderprogramm schnell Trost und Ablenkung. Die Versorgung mit Getränken und Gegrillten konnte zwar durchgängig aufrecht erhalten werden. Jedoch erwiesen sich die zweimal 50 Kuchen und Torten der Haselsteiner Frauengemeinschaft als zu wenig. Bereits gegen 16 Uhr war alles bis auf den letzten Krümel verputzt. So mancher Spezialitätenstand musste, weil leer gegessen, seinen Betrieb ebenfalls vorzeitig einstellen.

Dem  Run am Sonntag Nachmittag war am Morgen die von Pfarrer Bernhard Merz (Hofaschenbach) zelebrierte Bergmesse vorausgegangen. Im Anschluss formierte sich der Fanfarenzug Rasdorf (Leitung: Wolfgang Deisenroth) auf dem Burg-Plateau. Nach dem Vorbild mittelalterlicher Herolde entboten die Musikanten aus der Nachbargemeinde den Haselsteinern zum Jubiläum ihren Gruß. Die ‘Fidelen Burgsänger’  mit ihrem Vorsitzenden Hermann Fink zeichneten für die musikalische Gestaltung am Nachmittag verantwortlich. Nicht nur mit der Moritat von ‘den alten Rittersleut’ erfreuten die Haselsteiner Sänger.

Musikalischer Höhepunkt am Samstagabend war der Auftritt der Hünfelder Musikgruppe ‘Bridge’. Mit Irish Folk, angereichert um einige Oldies, schlug das Trio sein Publikum auf der Naturbühne in ‘der Allee’ in den Bann. Die heimelige Atmosphäre der Waldlichtung am Hang des Schlossberges verstärkte die gute Stimmung. Der historische Festplatz von Haselstein und wurde zum Burgjubiläum neu belebt. Zum Einbruch der Dunkelheit gab der Mittelalterverein aus Tambach-Dietharz auf der vollbesetzen Terrasse der Zehntscheune  eine Gaukelei der besonderen Art zum Besten. Feuerspucker, -schlucker und Kämpfer mit Flammenschwert veranstalteten ein beeindruckendes Spektakel zur Mittsommernacht.

Auf ihre Kosten sind auch die historisch Interessierten gekommen. Am Samstag hatte die IG Mittelalter aus Buchenau ihr Lager in der Ruine aufgeschlagen. Ritter Eberhard von Buchenau –  das historische Vorbild war im 14. Jahrhundert Burgmann auf Haselstein – erläuterte mit seinem Gefolge das Leben im Mittelalter. Bei einer Begehung am Sonntag Nachmittag vermittelte Kreisarchäologe Dr. Frank Verse, wie die Burg Haselstein zu ihren Glanzzeiten ausgesehen haben dürfte. Andreas Knüttel vom Heimat- und Geschichtsverein stellte die Geschichte der Ritter von Haselstein vor. Ihr bedeutendster Vertreter namens Lüdeger brachte es gegen Ende des 12. Jahrhunderts gar bis zum kaiserlichen Gesandten.

Den gemütlichen Abschluss der dreitägigen Feier bildete am Montag der ‘Raubritterabend’, gestaltet vom Musikverein 1980 Haselstein. Besonderen Eifer legte Landrat Bernd Woide (Fulda) an den Tag. Bereits Konzertbesucher am Samstag gewesen, hatte er in seinem Grußwort am Sonntag angekündigt, den Haselsteinern auch am dritten und letzten Festtag die Ehre zu geben.

(akh – 25.06.2013)

Haselstein: Mehr als nur Raubritter

Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein gegründet

Haselsteins historische Gaststätte ‚Goldener Stern‘ – 1733 durch den damaligen Amtsvogt Mägerlein erbaut und zu Zeiten der Fürstabtei Fulda als Wohnung des Fürstlichen Jägers genutzt – hat am vergangenen Sonntag den passenden Rahmen zur Gründung des Heimat-, Kultur- und Geschichtsvereins Haselstein abgegeben. Zweck des jüngsten Zuwachses in Haselsteins vielfältigem Vereinsleben ist laut Satzung die Förderung der regionalen Kultur sowie die Heimatkunde.

Angesichts zweier bevorstehender Ortsjubiläen – 2013 jährt sich die Ersterwähnung der Burg Haselstein zum 900. Mal, zwei Jahre später kann das 850-jährige Jubiläum der Gründung des Dorfes begangen werden – hat sich der Verein gleich zu Beginn große Herausforderungen gestellt. Dass sie gemeistert werden, dafür spricht die große Resonanz, die die Gründung im Ort gefunden hat. Bei gerade einmal 400 Ortseinwohnern verzeichnet die Mitgliederliste am Gründungstag bereits 61 Namen. Besonderes Augenmerk soll zudem die Einbindung der Jugend in die Vereinsaktivitäten finden. Daher steht auch die Verbesserung des Jugendraums im Bürgerhaus weit oben auf der Agenda.

Über den großen Zuspruch freute sich auch Nüsttals Bürgermeister Hermann Trabert und lobte das ‚große Potential‘ in Haselstein. Nach Abwicklung der Gründungsformalitäten wurde Ortsvorsteher Berthold Vogt einstimmig zum Vorsitzenden bestimmt. Ihm steht Andreas Knüttel (Wiesbaden) als Stellvertreter zur Seite. Um die Finanzen kümmert sich Thomas Jost; zur Schriftführerin wurde Johanna Knüttel gewählt. Den Gründungsvorstand komplettieren die Beisitzer Jürgen Herbert, Christian Knüttel und Jürgen Pfeffermann.

Haselstein, neben der barocken Pfarrkirche vor allem bekannt für die Burgruine auf dem Schlossberg, wird in nah und fern gern in einem Atemzug mit „den Raubrittern“ genannt. Dieser unzutreffenden Verkürzung entgegen zu wirken, ist ein zentrales Anliegen des Heimat-, Kultur und Geschichtsvereins. Den ‚bösen Ritter Gerlach‘, den Fürstabt Marquard 1156 von der Burg vertreiben ließ, hat es gegeben. Aber eine Generation später auch den Ritter Ludger von Haselstein, dessen Tätigkeit als Gesandter von Kaiser Heinrich VI. (1190-1197) überliefert ist. Zu den Paradoxien in der Geschichte gehört, dass der im ‚katholischen‘ Haselstein geborene Eberhard von der Tann (1495-1574), sein Vater war Amtmann auf der Burg, als späterer Rat und Gesandter des Kurfürsten von Sachsen maßgeblich zur Durchsetzung der Reformation in Deutschland beigetragen hat. Und schließlich, um ein letztes Beispiel zu nennen, wird mit Anton Thomas (1778-1837) die Reihe der Fuldaer (Ober-)Bürgermeister von einem Haselsteiner angeführt.

Auf die gelungene Vereinsgründung haben die Versammelten stilvoll mit echt Haselsteiner Wein angestoßen – nicht in der kalten Rhön, sondern in Württemberg auf der Weinbergslage ‚Winnender Haselstein‘ gewachsen. Mag das Dorf Haselstein auch einmalig sein, der Name „Haselstein“ ist es nicht.

(akh – 5. März 2012)