Haselstein im Radio

Eselskeller und ‘Geheimgang’

Die geschehene Restaurierung der Eselskeller sowie die aktuellen Arbeiten an den Stützmauern rund um das Schloss mit den dabei zutage geförderten neuen Erkenntnisse zur Schwengelscheuer und ihrem ‘Geheimgang’ haben auch beim HR Interesse geweckt. Die nachstehende Reportage ist am 02.08.17 im HR 4-Mittagsmagazin (Nord- und Osthessen) über den Äther gegangen; Reporter war Michael Pörtner:

Restaurierte Kellerwand der Schwengelscheuer von 1601 mit später vermauerter Außenpforte (“Geheimgang”) – August 2017

 

 

 

‚Startschuss‘ zur Sanierung der Burgruine

Steter Einsatz des Heimat-, Kultur- und Geschichtsvereins

Auf dem Gipfel des Haselsteiner Schlossbergs ist am Samstag, 29. Oktober, bei einem Treffen des Forstamts Burghaun, Nüsttals Bürgermeisterin Marion Frohnapfel, Ingenieur Uli Thümmler, Mackenzell und dem Haselsteiner Heimat- und Geschichtsverein der ‚Startschuss‘ zur Sanierung der Burgruine gegeben worden. Im ersten Schritt ist Ingenieur Thümmler vom Forstamt Burghaun, dem Eigentümer von Berg und Ruine, mit einer statischen Untersuchung beauftragt. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr kommenden Jahres vorliegen. Dabei geht es nicht nur um ein genaues Schadensbild. Die fachmännische Bestandsaufnahme ist zudem Vorbedingung, um für die eigentliche Sanierung Zuschussmittel, insbesondere von der Denkmalpflege, zu beantragen.

Der Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein sieht sich in seinem Bemühen um eine umfassende Restaurierung der Überreste der 900-jährigen Burganlage einen großen Schritt weiter. „Das Wahrzeichen von Haselstein für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, war zentrales Anliegen für unsere Vereinsgründung 2012“, erinnern Berthold Vogt und Andreas Knüttel, 1. und 2. Vorsitzender. Bei den ersten vom Verein initiierten Begehungen mit Fachleuten sei schnell klar geworden, dass einiger Reparaturbedarf aufgelaufen ist. Die letzte systematische Instandsetzung liegt Jahrzehnte zurück. Große Schäden sind besonders im Bereich der Vorburg am instabilen Ostabhang des Burgberges zu beklagen.

Die Haselsteiner wüssten das Engagement der Forstverwaltung für den zur Waldwirtschaft nutzlosen Schlossberg sehr zu schätzen, betonen die beiden Vorsitzenden. Dies gelte umso mehr, als HessenForst für den Sicherungszaun zum Schutz der Häuser am Fuß des Schlossberges bereits hohe Aufwendungen zu leisten hatte. Auch der Haselsteiner Verein leiste ausdauernd seinen Beitrag für die Erhaltung der Burganlage, betont Vorsitzender Berthold Vogt: „Die völlig verschütteten und teilweise eingestürzten Eselskeller, auf halber Bergeshöhe haben die Vereinsmitglieder in den letzten beiden Jahren in Eigenarbeit restauriert und für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.“ Bei der Fortsetzung der Sanierung auf der Gipfelhöhe werde der Verein, soweit möglich, wieder mittun. Der für die anstehende Untersuchung nötige Rückschnitt von Buschwerk sei bereits besprochen.

2. Vorsitzender Andreas Knüttel machte auf die geschichtliche Bedeutung der 900-jährigen Haselsteiner Burg aufmerksam: „Im 11. Jahrhundert, wie Fürsteneck, zur Grenzsicherung der Abtei Fulda gen Hessen und Thüringen gegründet, befand sich hier unter dem ‚bösen Ritter‘ Gerlach um 1150 das Zentrum der oppositionellen Fuldaer Dienstmannen. In der nächsten Generation um 1200 steigt Ludger von Haselstein aus der Rhön auf in die Dienste von Kaiser Heinrich VI. und dessen Bruder, König Philipp von Schwaben. Ebenfalls in der ‚großen Politik‘ reüssiert der 1495 auf Burg Haselstein geborene Eberhard von der Tann. Als Rat des Kurfürsten von Sachsen trägt er auf protestantischer Seite wesentlich zum Zustandekommen des Augsburger Religionsfriedens 1555 bei. Als dieser nicht mehr hält und im Dreißigjährigen Krieg auch die Menschen im Fuldaer Land schwer zu leiden haben, finden die Haselsteiner in der verlassenen Burg Zuflucht. In der Folge verfällt sie. Erste konservatorische Aktivitäten sind aus den 1840er Jahren überliefert.

(29. Okt. 2016 – akh)

Eselskeller wieder frei zugänglich

Neue Info-Tafeln für Schlossberg-Besucher

Die spätmittelalterlichen Eselskeller auf halber Höhe des Haselsteiner Schlossberges sind von den Aktiven des Heimat- und Geschichtsvereins in Eigenarbeit freigelegt und die Gewölbe gesichert worden. Am kommenden Sonntag, 21. Juni, wird die historische Anlage im Rahmen des traditionellen Haselsteiner Pfarrfestes gegen 11 Uhr wieder freigegeben. Der Festtag beginnt zuvor um 10 Uhr mit der Festmesse auf dem Schlossberg-Gipfel. Der feierlichen Übergabe schließt sich den Tag über der Festbetrieb rund um die Eselskeller und die ‚Allee‘ hinter dem Haselsteiner Schloss an. Unter anderem hat Landrat Bernd Woide sein Kommen zugesagt. Pfarrgemeinderat und Geschichtsverein laden alle Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Nüsttal und den Nachbarorten zu den Feierlichkeiten herzlich ein. Für das leibliche und musikalische Wohl ist bestens gesorgt.

Nach jahrhundertelangem Verfall sind die fast vollständig verschüttet gewesenen unterirdischen Räume wieder in voller Größe zu erleben. Zu den Materialkosten der Sanierung hat der Landkreis Fulda eine Beihilfe geleistet. Die Finanzierung der bauhistorischen und der statischen Begutachtung hatte das Hessische Landesamt für Denkmalpflege übernommen. Zweierlei haben die Forschungen zutage gebracht: Die Eselskeller sind bedeutend jünger als die Hauptburg auf dem Gipfel des Haselsteins. Außerdem haben, den Namen Lügen strafend, hier vermutlich zu keiner Zeit Esel gehaust.

Zwar hat zur Haselsteiner Burg, so ist es in den ältesten Amtsrechnungen auch schriftlich belegt, eine Eselherde gehört. Die robusten und trittsicheren Tragtiere beförderten alles zur Versorgung der Burg im Mittelalter Notwendige auf den Gipfel. Zu ihrer Betreuung war ein besonderer Knecht, der Eseltreiber, angestellt. In Haselstein hat sich über Generationen die Überlieferung erhalten, der Eselstall hätte sich in den Gewölbekellern auf halber Höhe zwischen Dorf und Burg befunden. Daher rührt die volkstümliche Bezeichnung ‚Eselskeller‘.

In den Amtsrechnungen ist ein eigener Stallbau, das Esels huß, nachgewiesen.  Bauart und Lage sind den Aufzeichnungen nicht zu entnehmen, jedoch, dass es sich um ein oberirdisches Bauwerk gehandelt hat. Als historische Eselbehausung scheiden die Gewölbe also aus. Sie gehörten vielmehr zu einem Wirtschaftshof, der im Spätmittelalter, lange nach dem Bau der 1113 erstmals erwähnten Burg, errichtet worden ist. Die zwischen 1350 und 1500 errichteten Kellergewölbe, so das Ergebnis der bauhistorischen Untersuchung, waren mit einer Scheune bzw. Stallung überbaut. Deren Abmessungen betrugen ca. 20 x 8 Meter. Die gesamte planierte Fläche hat eine Ausdehnung von 25 x 12 Metern. Der Wirtschaftshof hat am mittelalterlichen Burgweg gelegen. Dieser zog, vom Gipfel kommend, ostwärts weiter – oberhalb des im 16. Jh. erbauten Schlosses und der Kirche –  und mündete auf die heutige Schlossbergstraße (zwischen den Häusern Nr. 10 und Nr. 14).

Den beengten Verhältnissen auf der Gipfelburg dürfte es geschuldet gewesen sein, außerhalb der befestigten Burganlage einen weiteren Wirtschaftshof einzurichten. Es liegt nahe, dass er für die Landwirtschaft der Burg genutzt wurde bzw. als (Korn-)Speicher für die von den Haselsteiner Amtsuntertanen abzuliefernden Naturalien.

Weiterhin werden am kommenden Sonntag zwei neue Informations-Tafeln – eine zur Geschichte der Haselsteiner Burg, die andere zu den Eselskellern – enthüllt. Damit soll dem von Besuchern der Ruine Haselstein vielfach geäußerten Wunsch Rechnung getragen werden, Näheres über die Geschichte ihres markant-malerischen Ausflugsziels zu erfahren. Konzipiert vom Heimat- und Geschichtsverein, hat Bürgermeisterin Marion Frohnapfel kurzfristig für die Anfertigung der großformatigen Schilder gesorgt. Längerfristig ist die Einbindung des Haselsteiner Burgbergs in einen Nüsttaler Ableger des ‚Hochrhöner‘-Wanderwegs vorgesehen. Ein Rundweg soll die schönsten Wanderziele in der Gemeinde miteinander verbinden.

(akh – 17.06.2015)

Haselstein auf 2 ½ mal 1 Meter

Geschichtsverein Haselstein zu Besuch im Kreisgeschichtlichen Museum Hünfeld

 

Einen exklusiven Kunstgenuss bekamen die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins aus Haselstein im Hünfelder Heimatmuseum geboten. Die historisch Interessierten waren gekommen, um einen Streifzug durch die Jahrmillionen der Geschichte der Vorderrhön zu unternehmen: angefangen bei den Mini-Dinosauriern, die ihre Spuren in einem Steinbruch bei Eiterfeld hinterlassen haben. Demgegenüber darf das ‚reiche Mädchen von Molzbach‘, das um 1300 v. Chr sein prächtiges Grab erhalten hatte, fast schon als zeitgenössisch bezeichnet werden. Breiten Raum nahmen die Entwicklungen des Computerpioniers und Hünfelder Ehrenbürgers Konrad Zuse ein. Besonders beeindruckte die Ausdauer des ‚rechenfaulen‘ Mathematikers, der sich von den widrigen Umstände der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit nicht entmutigen ließ. Dass heute jeder tragbare Mini-Computer mehr zu leisten in der Lage ist als die ganze Schränke füllenden Rechen-Apparate des Computer-Pioniers, schmälert Zuses Verdienste keineswegs.

Den größten und nachhaltigsten Eindruck auf die Haselsteiner Museumsbesucher machte jedoch ein repräsentativ im Treppenhaus platziertes überdimensionales Ölgemälde: eine 2 ½ mal 1 Meter messende Ansicht von Haselstein, geschaffen 1926 vom bekannten Rhön-Maler Pedro Schmiegelow. Die großformatige Ansicht des Dorfes vor dem Hessischen Kegelspiel, die mit der Neueröffnung 1995 einen neuen dauerhaften Platz im Hünfelder Heimatmuseum fand, ist eine Auftragsarbeit für den Hünfelder Zweigverein des Rhönklubs gewesen. Sie war zur Ausschmückung Wartehalle im Bahnhof bestimmt und hat dort lange Jahre gehangen.

Die mit dem Kunstwerk verfolgten Absichten waren durchaus profaner Natur. Laut dem Hünfelder Kreisblatt von 1926 war das „Oelgemälde in Großformat … als wirkungsvolles Werbemittel zur Hebung des Fremdenverkehrs gedacht. Dazu „hat der Künstler den landschaftlich schönsten Punkt des Kreises als Motiv gewählt. Es ist der Haselstein mit dem angeschmiegten Dörfchen, dessen prachtvollen Hintergrund die schönsten Berge des Kegelspiels bilden. … Der Duft des herbstlichen Spätsommers, die aufleuchtenden bunten Farben und die landschaftliche Staffage vereinigen sich mit der reizvollen Schönheit des Motivs zu einer wundervollen Gesamtwirkung.“

Der von Schmiegelow gewählte Blickpunkt ist im Bereich des Verbindungsweges zu suchen, der von der Landstraße Haselstein – Mittelaschenbach nach Oberaschenbach abzweigt, kurz vor der Burkhardser Höhe. Das Gemälde zeigt  im Hintergrund des von Schlossberg, Kirche und Amtsschloss beherrschten Dorf den Rückers- , Appels- und Stallberg aus dem Hessischen Kegelspiel. Im Vordergrund links ist anhand der Baumreihe der Verlauf der Straße nach Mittelaschenbach zu erkennen.

Der Öffentlichkeit übergeben wurde das Werk am 7. November 1926, einem Sonntag, im Rahmen einer Einweihungsfeier mit anschließendem gemütlichen Beisammensein im Hotel Engel. Zu den geladenen Gästen gehörten auch die Haselsteiner Gemeindevertreter. Schließlich hatte die Gemeinde Haselstein, so berichtet es die Schulchronik, „eine Beisteuer zu den Beschaffungskosten gegeben.“ Dem Kreisblatt zufolge überbrachte Bürgermeister Josef Wingenfeld „die Glückwünsche seiner Gemeinde mit frischen Worten.“

Der Vorstand des Hünfelder Rhönklubs hatte mit dem seit 1919 in Fulda ansässigen Pedro Schmiegelow (1863-1943) einen der damals führenden Kunstmaler der Region verpflichtet. Vor seiner Niederlassung in Fulda war das Werk des gebürtigen Hamburgers, der in Dresden ein Kunststudium absolviert hatte und zeitlebens als Landschaftsmaler tätig war, vom Impressionismus geprägt. Entscheidende künstlerische Erfahrungen sammelte er vor und während des 1. Weltkriegs auf Fernreisen, die ihn in den Mittelmeerraum und den Nahen Osten führten. In der Rhönmalerei, seinem Spätwerk, entwickelte er einen eigenständigen Stil, der ihn von den übrigen Vertretern dieses Genres deutlich abhebt. Das Haselsteiner Gemälde von 1926 war nicht die einzige großformatige Dekorationsmalerei Pedro Schmiegelows. Beispielsweise beherbergt der Autohof Fulda-Nord ein monumentales Rhön-Panorama, das ursprünglich die Schalterhalle der abgebrochenen früheren Fuldaer Hauptpost geschmückt hat. Für das Hotel ‚Goldener Karpfen‘ in Fulda hat Schmiegelow ebenfalls 1926-28 fünf Rhönpanoramen geschaffen.

Wer sich selbst einen Eindruck der 2 ½ Quadratmeter Haselstein in Öl verschaffen will, kann dies während der Öffnungszeiten des Stadt- und Kreisgeschichtlichen Museums tun: täglich (außer montags und mittwochs) von 15 bis 17 Uhr, Hünfeld, Am Kirchplatz.

(akh – 22.11.2013)

Bilder vom Fest 900 Jahre Burg Haselstein

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Burg Haselstein friedlich gestürmt

350-Seelen-Dorf im Ausnahmezustand – Über 6.000 Besucher beim 900-jährigen Burgjubiläum

Zweimal ist die Burg Haselstein in ihrer 900-jährigen Geschichte im Kampf erobert worden: 1119 und 1156. Anders als im Mittelalter ist die dritte Eroberung des Haselsteiner Wahrzeichens am vergangenen Wochenende vollkommen friedlich über die Bühne gegangen.

Mehr als 6.000 Besucher stürmten die Burgruine und den Mittelaltermarkt im Haselsteiner Schlosshof. War das Publikumsinteresse am Samstag bereits groß, übertraf der Sonntag alle Erwartungen. Auf dem kleinen Burg-Plateau drängten sich die Menschen. Auf den schmalen Trampelpfaden zum Gipfel kam es zu regelrechten Stauungen. Die scherzhafte Frage, wann endlich der Verkehrsfunk vor dem Chaos auf dem Haselstein warne, machte die Runde. Im Lauf des Nachmittags gingen an etlichen Marktständen die Vorräte zur Neige. Kindertränen flossen, als der Stand mit Holzspielzeug wie Mini-Hellebarden und Armbrüsten zum Verschießen von Korkstopfen leergekauft war. Zum Glück fanden die Enttäuschten beim vielfältigen Kinderprogramm schnell Trost und Ablenkung. Die Versorgung mit Getränken und Gegrillten konnte zwar durchgängig aufrecht erhalten werden. Jedoch erwiesen sich die zweimal 50 Kuchen und Torten der Haselsteiner Frauengemeinschaft als zu wenig. Bereits gegen 16 Uhr war alles bis auf den letzten Krümel verputzt. So mancher Spezialitätenstand musste, weil leer gegessen, seinen Betrieb ebenfalls vorzeitig einstellen.

Dem  Run am Sonntag Nachmittag war am Morgen die von Pfarrer Bernhard Merz (Hofaschenbach) zelebrierte Bergmesse vorausgegangen. Im Anschluss formierte sich der Fanfarenzug Rasdorf (Leitung: Wolfgang Deisenroth) auf dem Burg-Plateau. Nach dem Vorbild mittelalterlicher Herolde entboten die Musikanten aus der Nachbargemeinde den Haselsteinern zum Jubiläum ihren Gruß. Die ‘Fidelen Burgsänger’  mit ihrem Vorsitzenden Hermann Fink zeichneten für die musikalische Gestaltung am Nachmittag verantwortlich. Nicht nur mit der Moritat von ‘den alten Rittersleut’ erfreuten die Haselsteiner Sänger.

Musikalischer Höhepunkt am Samstagabend war der Auftritt der Hünfelder Musikgruppe ‘Bridge’. Mit Irish Folk, angereichert um einige Oldies, schlug das Trio sein Publikum auf der Naturbühne in ‘der Allee’ in den Bann. Die heimelige Atmosphäre der Waldlichtung am Hang des Schlossberges verstärkte die gute Stimmung. Der historische Festplatz von Haselstein und wurde zum Burgjubiläum neu belebt. Zum Einbruch der Dunkelheit gab der Mittelalterverein aus Tambach-Dietharz auf der vollbesetzen Terrasse der Zehntscheune  eine Gaukelei der besonderen Art zum Besten. Feuerspucker, -schlucker und Kämpfer mit Flammenschwert veranstalteten ein beeindruckendes Spektakel zur Mittsommernacht.

Auf ihre Kosten sind auch die historisch Interessierten gekommen. Am Samstag hatte die IG Mittelalter aus Buchenau ihr Lager in der Ruine aufgeschlagen. Ritter Eberhard von Buchenau –  das historische Vorbild war im 14. Jahrhundert Burgmann auf Haselstein – erläuterte mit seinem Gefolge das Leben im Mittelalter. Bei einer Begehung am Sonntag Nachmittag vermittelte Kreisarchäologe Dr. Frank Verse, wie die Burg Haselstein zu ihren Glanzzeiten ausgesehen haben dürfte. Andreas Knüttel vom Heimat- und Geschichtsverein stellte die Geschichte der Ritter von Haselstein vor. Ihr bedeutendster Vertreter namens Lüdeger brachte es gegen Ende des 12. Jahrhunderts gar bis zum kaiserlichen Gesandten.

Den gemütlichen Abschluss der dreitägigen Feier bildete am Montag der ‘Raubritterabend’, gestaltet vom Musikverein 1980 Haselstein. Besonderen Eifer legte Landrat Bernd Woide (Fulda) an den Tag. Bereits Konzertbesucher am Samstag gewesen, hatte er in seinem Grußwort am Sonntag angekündigt, den Haselsteinern auch am dritten und letzten Festtag die Ehre zu geben.

(akh – 25.06.2013)

Haselstein: Mehr als nur Raubritter

Heimat-, Kultur- und Geschichtsverein gegründet

Haselsteins historische Gaststätte ‚Goldener Stern‘ – 1733 durch den damaligen Amtsvogt Mägerlein erbaut und zu Zeiten der Fürstabtei Fulda als Wohnung des Fürstlichen Jägers genutzt – hat am vergangenen Sonntag den passenden Rahmen zur Gründung des Heimat-, Kultur- und Geschichtsvereins Haselstein abgegeben. Zweck des jüngsten Zuwachses in Haselsteins vielfältigem Vereinsleben ist laut Satzung die Förderung der regionalen Kultur sowie die Heimatkunde.

Angesichts zweier bevorstehender Ortsjubiläen – 2013 jährt sich die Ersterwähnung der Burg Haselstein zum 900. Mal, zwei Jahre später kann das 850-jährige Jubiläum der Gründung des Dorfes begangen werden – hat sich der Verein gleich zu Beginn große Herausforderungen gestellt. Dass sie gemeistert werden, dafür spricht die große Resonanz, die die Gründung im Ort gefunden hat. Bei gerade einmal 400 Ortseinwohnern verzeichnet die Mitgliederliste am Gründungstag bereits 61 Namen. Besonderes Augenmerk soll zudem die Einbindung der Jugend in die Vereinsaktivitäten finden. Daher steht auch die Verbesserung des Jugendraums im Bürgerhaus weit oben auf der Agenda.

Über den großen Zuspruch freute sich auch Nüsttals Bürgermeister Hermann Trabert und lobte das ‚große Potential‘ in Haselstein. Nach Abwicklung der Gründungsformalitäten wurde Ortsvorsteher Berthold Vogt einstimmig zum Vorsitzenden bestimmt. Ihm steht Andreas Knüttel (Wiesbaden) als Stellvertreter zur Seite. Um die Finanzen kümmert sich Thomas Jost; zur Schriftführerin wurde Johanna Knüttel gewählt. Den Gründungsvorstand komplettieren die Beisitzer Jürgen Herbert, Christian Knüttel und Jürgen Pfeffermann.

Haselstein, neben der barocken Pfarrkirche vor allem bekannt für die Burgruine auf dem Schlossberg, wird in nah und fern gern in einem Atemzug mit „den Raubrittern“ genannt. Dieser unzutreffenden Verkürzung entgegen zu wirken, ist ein zentrales Anliegen des Heimat-, Kultur und Geschichtsvereins. Den ‚bösen Ritter Gerlach‘, den Fürstabt Marquard 1156 von der Burg vertreiben ließ, hat es gegeben. Aber eine Generation später auch den Ritter Ludger von Haselstein, dessen Tätigkeit als Gesandter von Kaiser Heinrich VI. (1190-1197) überliefert ist. Zu den Paradoxien in der Geschichte gehört, dass der im ‚katholischen‘ Haselstein geborene Eberhard von der Tann (1495-1574), sein Vater war Amtmann auf der Burg, als späterer Rat und Gesandter des Kurfürsten von Sachsen maßgeblich zur Durchsetzung der Reformation in Deutschland beigetragen hat. Und schließlich, um ein letztes Beispiel zu nennen, wird mit Anton Thomas (1778-1837) die Reihe der Fuldaer (Ober-)Bürgermeister von einem Haselsteiner angeführt.

Auf die gelungene Vereinsgründung haben die Versammelten stilvoll mit echt Haselsteiner Wein angestoßen – nicht in der kalten Rhön, sondern in Württemberg auf der Weinbergslage ‚Winnender Haselstein‘ gewachsen. Mag das Dorf Haselstein auch einmalig sein, der Name „Haselstein“ ist es nicht.

(akh – 5. März 2012)